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Bindung und deren Wirkung – die elterliche Kompetenz

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich miterlebt habe, welche Strapazen ein schnell wechselnder Behandlungsverlauf auf der Neonatologie für das Kind und deren Eltern bedeuten kann. Die ständigen Hochs und Tiefs in diesem Setting belasten physisch und psychisch. Dieser Ausnahmezustand, verbunden mit Komplikationen sowie den ungewissen Entwicklungsprognosen dieser Kinder, stellt eine enorme Belastung für die Eltern dar und bringt sie in einen Zustand der mitunter ihren Blick für ihre Rolle und ihre Fähigkeiten einschränken kann.

Angekommen in diesem Beruf war es mir stets ein Anliegen die Bedürfnisse, das Wohlergehen, die Ressourcen und Fertigkeiten der Kinder sowie deren Eltern gleichermaßen zu sehen sowie zu bestärken. Ich erlebte, welchen Einfluss sichere Bindungen auf den Behandlungsprozess der Kinder nehmen und was eine bestärkende familienzentrierte, sozial-emotionale Betreuung der Mutter/der Väter für deren Selbstvertrauen und elterlichen Kompetenzen ausmacht.

Die Bindungs- und Gehirnforschung verweisen klar und deutlich darauf, dass Eltern und deren Kompetenzen in der Entwicklung ihres Kindes als protektiver Faktor zu betrachten sind.

Von Beginn an können sichere Bindungen unser Leben schützen und unterstützen. Ebenso konstruieren zwei Menschen durch Bindung eine gemeinsame seelische Struktur, welche sich im selben Ausmaß auf die Struktur des Gehirns auswirkt. Heute weiß man, dass Bindung sich entwickelt und bereits mit der Befruchtung beginnt. Kind und Mutter bilden eine Einheit, eine lebensnotwendige Symbiose und stehen sowohl bei freudigen als auch bei belastenden Empfindungen oder Erlebnissen in starkem Zusammenhang. Die intra- und extrauterinen Erlebnisse haben somit Einfluss auf sämtliche Ebenen der kindlichen Entwicklung. Diese Tatsache zeigt auf, dass jede Grundstimmung der Mutter sich gleichfalls auf das Kind auswirkt und dessen Entwicklung, dessen Gehirn- und Nervenstruktur beeinflusst.

In diesem Zusammenhang erlangt das Wohlbefinden der Mutter beziehungsweise der Eltern somit eine tragende Rolle in der Familienbegleitung. Bei „früh geboren“ nimmt die emotionale Begleitung der Mutter daher einen hohen Stellenwert der Betreuung ein.